Sehtest: Diese Anzeichen solltest du ernst nehmen

Unsicheres Verhalten ist kein "Ungehorsam", sondern oft ein wichtiges Signal.

Verhaltensänderungen im Alltag

Hunde sind Meister darin, Schwächen zu kompensieren. Eine schleichende Erblindung wird von Besitzern oft erst spät bemerkt, weil der Hund sich in seiner gewohnten Umgebung blind auf sein Gedächtnis, seine Nase und sein Gehör verlässt. Achte auf diese subtilen Hinweise:

  • Anstoßen an Gegenstände: Besonders, wenn Möbel leicht verschoben wurden oder Gegenstände im Weg stehen (z.B. ein Wäschekorb im Flur).
  • Unsicherheit bei Dämmerung: Viele Augenerkrankungen (wie PRA) beginnen mit Nachtblindheit. Der Hund weigert sich plötzlich, im Dunkeln spazieren zu gehen oder wirkt draußen ängstlich.
  • Treppensteigen wird zum Problem: Der Hund zögert vor Treppen, springt nicht mehr ins Auto oder aufs Sofa.
  • Kleben am Bein: Der Hund sucht extrem deine Nähe beim Spaziergang und weicht dir nicht von der Seite.
  • Schreckhaftigkeit: Der Hund zuckt zusammen, wenn er unerwartet berührt wird oder wenn laute Geräusche auftreten, deren Ursprung er nicht sehen kann.

Körperliche Anzeichen am Auge

Neben dem Verhalten solltest du auch die Augen deines Hundes regelmäßig betrachten. Folgende Symptome sind Warnsignale:

  • Eine bläuliche, graue oder weiße Trübung der Linse.
  • Starke Rötung der Bindehaut oder des weißen Bereichs im Auge.
  • Der Hund kneift das Auge oft zu, blinzelt stark oder reibt mit der Pfote darüber (Zeichen für Schmerzen!).
  • Starker, eitriger oder wässriger Ausfluss.
  • Die Pupillen sind extrem weit gestellt und reagieren nicht mehr auf helles Licht.

Der Heim-Test: Erste Hinweise sammeln

Einen wirklich sicheren Sehtest kann und sollte nur der Tierarzt durchführen. Aber die Zeit bis zum Termin kann lang sein. Daher gibt es kleine Tests, die du selbst durchführen kannst, um dir etwas Klarheit zu verschaffen:

  • Wattebausch-Test: Setz dich dem Hund gegenüber und lass einen Wattebausch lautlos fallen. Ein sehender Hund schaut dem fallenden Bausch hinterher. (Wichtig: Nimm nichts, was riecht oder Geräusche macht – ein Stück Wurst im Mund verfälscht das Ergebnis ebenso, weil dann Nase oder Ohren reagieren statt der Augen.)
  • Karton-Test mit Gucklöchern: Nimm ein großes Stück Karton und schneide zwei Löcher hinein – im gleichen Abstand und etwa der Größe der Hundeaugen. Halte den Karton nah vor das Gesicht des Hundes und winke dann langsam mit der Hand über die Gucklöcher. Ein sehender Hund wird jetzt blinzeln. Der Karton sorgt dafür, dass nicht die Luftstöße des Winkens das Blinzeln auslösen, sondern wirklich nur die wahrgenommene Bewegung der Hand.
  • Hindernis-Parcours: Stelle im Flur ein paar weiche Hindernisse (Kissen, Kartons) auf, die dort sonst nicht stehen. Rufe deinen Hund. Läuft er zielsicher hindurch oder stößt er an?

Wann zur Tierarztpraxis?

Sofortiges Handeln ist gefragt bei: plötzlicher Erblindung, stark geröteten Augen, offensichtlichen Schmerzen (Zukneifen, Reiben) oder wenn das Auge geschwollen wirkt. Dies kann auf einen Grünen Star (Glaukom) hindeuten – ein absoluter Notfall, der innerhalb von Stunden zur unheilbaren Erblindung führen kann!

Bei schleichenden Veränderungen solltest du zeitnah einen Termin bei einem auf Augenheilkunde spezialisierten Tierarzt (DOK-Tierarzt) vereinbaren. Nur dort gibt es die speziellen Geräte (wie Spaltlampe, Tonometer zur Druckmessung), um eine genaue Diagnose zu stellen.

Tierarzt untersucht das Auge eines Hundes in einer Klinik.