Haeufige Krankheiten bei blinden Hunden

Fruehes Erkennen hilft, Beschwerden zu reduzieren und Chancen zu verbessern.

Die häufigsten Ursachen für Sehverschlechterung beim Hund

Es gibt viele verschiedene Gruende, warum ein Hund erblindet. Einige verlaufen schleichend ueber Jahre, andere koennen ueber Nacht auftreten. Hier findest du eine verstaendliche Uebersicht der haeufigsten Diagnosen. Wichtig: Diese Informationen ersetzen keinen tieraerztlichen Befund!

Katarakt (Grauer Star)

Was ist das? Eine Trübung der Augenlinse. Das Auge wirkt milchig-weiß oder bläulich.

Ursachen: Häufig altersbedingt (Altersstar), genetisch vererbt oder als Folge von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Verlauf: Meist schleichend, bei Diabetes jedoch oft rasend schnell. Der Hund sieht zunehmend verschwommen, bis er nur noch hell/dunkel unterscheiden kann.

Behandlung: Kann in vielen Fällen durch eine Operation (Einsetzen einer Kunstlinse) sehr erfolgreich behandelt werden.

Glaukom (Grüner Star)

Was ist das? Ein gefährlicher Anstieg des Augeninnendrucks, weil das Kammerwasser nicht richtig abfließen kann.

Symptome: Ein absoluter Notfall! Das Auge ist extrem rot, schmerzhaft (Hund kneift es zu, reibt), oft wirkt der Augapfel vergrößert, die Pupille ist starr und weit.

Verlauf: Der hohe Druck zerstört den Sehnerv. Unbehandelt führt ein akutes Glaukom innerhalb von 24 bis 48 Stunden zur unheilbaren Erblindung.

Behandlung: Sofortige drucksenkende Medikamente. Oft ist langfristig eine Operation nötig, um dem Hund die starken Schmerzen zu nehmen.

PRA (Progressive Retinaatrophie)

Was ist das? Ein erblich bedingtes, fortschreitendes Absterben der Netzhaut (Retina).

Symptome: Beginnt fast immer mit Nachtblindheit. Der Hund weigert sich, im Dunkeln zu laufen. Später lässt auch das Sehen am Tag nach.

Verlauf: Völlig schmerzfrei, aber unaufhaltsam. Führt über Monate oder Jahre zur vollständigen Erblindung.

Behandlung: Leider gibt es bis heute keine Heilung für PRA. Da der Prozess schleichend ist, können sich die Hunde jedoch meist hervorragend an die Blindheit anpassen.

SARD (Plötzliche erworbene Netzhautdegeneration)

Was ist das? Eine Erkrankung, bei der die Funktion der Netzhaut extrem schnell ausfällt. Am häufigsten betroffen sind kleine, übergewichtige weibliche Hunde im mittleren bis hohen Alter, statistisch öfter Dackel und Zwergschnauzer. Eine Vererbung wird ausgeschlossen.

Symptome: Der Hund erblindet innerhalb weniger Stunden bis Tage. Begleitet von vermehrtem Durst, Hunger und häufigem Wasserlassen (der Cortisolspiegel im Blut ist erhöht). Äußerlich sind anfangs nur erweiterte, lichtstarre Pupillen sichtbar, ohne Trübung. Schmerzen treten nicht auf, da der Augeninnendruck normal ist.

Diagnose: Durch Augenspezialisten mit dem Elektroretinogramm (ERG).

Behandlung: Bisher nicht möglich; auch Kortison- und Hormongaben blieben erfolglos. Die Hunde brauchen anfangs besonders viel Führung, lernen aber, mit der Situation umzugehen.

Weitere erbliche und rassetypische Augenerkrankungen

Neben den häufigsten Ursachen gibt es eine Reihe weiterer Erkrankungen, die das Sehvermögen beeinträchtigen können – viele davon sind erblich oder treten bei bestimmten Rassen gehäuft auf.

CEA (Collie Eye Anomaly)

Eine rezessiv vererbte Entwicklungsstörung der Netzhaut, vor allem bei Collie und Sheltie. Wird bis zur 9. Lebenswoche beim Welpen festgestellt und führt zu Missbildungen der Sehnerven (Kolobomen), in schweren Fällen zu Blutungen und Netzhautablösungen. Der Schweregrad verändert sich im Laufe des Lebens grundsätzlich nicht. Keine Behandlungsmöglichkeit.

Linsenluxation

Tritt vor allem bei Terriern auf (z. B. Tibet-, Fox-, Jack-Russell-, Jagdterrier). Die Linse löst sich etwa ab dem 4. Lebensjahr aus ihrer Verankerung und bewegt sich frei im Auge, meist hinter die Hornhaut. Das kann zum Grünen Star und Druckanstieg führen. Eine sofortige Operation innerhalb weniger Tage ist nötig, um das Sehvermögen zu erhalten – besonders bei Hunden unter 6 Jahren.

Entropium

Schmerzhaftes Einrollen eines Augenlides (meist des unteren), von Geburt an oder in den ersten Lebensmonaten. Das Auge wird stark gereizt und tränt, was zu Hornhautveränderungen bis hin zum Geschwür führen kann. Bricht das Geschwür durch, droht der Verlust des Auges. Lässt sich durch einen kleinen Eingriff erfolgreich korrigieren. Wird vererbt.

Ektropium

Typisch für Rassen wie den Bloodhound. Durch starkes Herabhängen der Lider kommt es zu chronischen Bindehautentzündungen, die Tränenflüssigkeit kann nicht abfließen. Da das Lid den Augapfel nicht ausreichend schützt, treten häufig Hornhautverletzungen auf. Kann operativ behoben werden.

Distichiasis

Die Wimpern wachsen direkt am Lidrand und reiben ständig auf der Hornhaut. Das führt zu vermehrtem Zwinkern und Tränenfluss. Bei stärkerer Reizung können die störenden Wimpern operativ entfernt werden.

Trichiasis (Nasenfalten)

Bei Rassen mit extrem kurz gezüchtetem Kopf (z. B. Pekinese, Mops, Bulldogge). Die Haut über der Nase wirft große Falten, sodass die Haare dauerhaft auf der Hornhaut reiben. Das kann zu Hornhautveränderungen und Geschwüren führen; bricht ein Geschwür durch, droht der Verlust des Auges.

Follikelkatarrh

Auf der Innenseite der Nickhaut und des Lides bilden sich kleine Follikel, die zu tränenden Augen führen. Tritt häufig bei jungen Hunden auf. Der Tierarzt kann diese Follikel entfernen, danach beruhigt sich das Auge wieder.

Netzhautdysplasie

Meist eine Fehlentwicklung kleiner Teile der Netzhaut, als Falten erkennbar, mit geringen Auswirkungen. Bei größeren betroffenen Bereichen können die Sehstörungen erheblich sein; selten treten vollständige Netzhautdysplasien auf, solche Augen sind in der Regel blind. Oft begleitet von Fehlentwicklungen des Skeletts. Keine Behandlungsmöglichkeit.

Persistierende Pupillarmembran

Tritt vor allem beim Basenji als Erbkrankheit auf und führt dort zu Sehstörungen. In der Embryonalphase wird die spätere Pupille von einem pigmentierten Gefäßgeflecht überzogen; bei dieser Erkrankung bleiben pigmentierte Gewebestränge auch später sichtbar. Bei anderen Rassen tritt es nur sporadisch und meist ohne große Beeinträchtigung auf.

Goniodysplasie (Glaukom)

Bei manchen Rassen ist der Kammerwinkel zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut missgebildet, was den Abfluss des Kammerwassers stört. Der Augendruck steigt stark an und es kommt zur Erblindung. Durch Medikamente und Operationen wird der Augendruck so weit wie möglich normalisiert.

Hinweis zu einer homöopathischen Therapie beim Grauen Star

Manche Halter berichten von einer homöopathischen Behandlung des Grauen Stars, benannt nach dem Kölner Augenarzt Dr. Waterloh. Sie umfasst über mehrere Wochen Calcium fluoratum (D12 und D6), Magnesium fluoratum (D12) und Magnesium carbonicum (D6); die Dosierung richtet sich nach dem Gewicht des Hundes.

Wichtiger Hinweis: Für die Wirksamkeit dieser Therapie gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, und sie ist kein Ersatz für eine tierärztliche Behandlung. Auch homöopathische Mittel können bei falscher Anwendung schaden. Wir geben diese Information nur der Vollständigkeit halber wieder. Bitte triff keine Behandlungsentscheidung ohne Rücksprache mit deinem Tierarzt bzw. einem Veterinär-Homöopathen.