Augenoperationen: gut informieren, ruhig entscheiden

Nicht jeder Befund bedeutet OP - aber manchmal ist ein Eingriff die beste Option.

Wann ist eine OP sinnvoll?

Die Diagnose "Erblindung" bedeutet nicht automatisch, dass operiert werden muss. Eine Operation wird in der Regel aus zwei Gründen in Betracht gezogen:

  1. Wiederherstellung der Sehkraft: Dies ist vor allem beim Grauen Star (Katarakt) möglich. Die trübe Linse wird entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Voraussetzung ist, dass die Netzhaut dahinter noch intakt ist (wird vorher durch ein ERG - Elektroretinogramm - getestet).
  2. Schmerzbefreiung: Bei einem unkontrollierbaren Grünen Star (Glaukom) oder schweren Verletzungen/Tumoren kann es nötig sein, das Auge operativ zu entfernen (Enukleation). Das klingt für uns Menschen schrecklich, ist für den Hund aber eine enorme Erleichterung, da der permanente, pochende Schmerz sofort verschwindet.

Vor einer Entscheidung

Eine Augen-OP ist ein mikrochirurgischer Eingriff und erfordert Spezialisten. Beachte vor der Entscheidung:

  • Spezialisierte Diagnostik: Gehe zu einem Fachtierarzt für Augenheilkunde (DOK).
  • Gesundheitszustand des Hundes: Der Hund muss narkosefähig sein. Blutbild und Herzcheck sind vorher Pflicht.
  • Kosten: Augen-OPs sind teuer (oft 1.500 bis 3.000 Euro pro Auge). Prüfe, ob eine Tierkrankenversicherung besteht und diese die Kosten übernimmt.

Der Aufwand der Nachsorge

Die Zeit nach der OP entscheidet maßgeblich über den Erfolg. Unterschätze diesen Aufwand nicht:

  • Halskragen-Pflicht: Der Hund muss wochenlang einen harten Trichter tragen. Ein einziges Kratzen am operierten Auge kann die OP zunichte machen!
  • Tropfenplan: Oft müssen 4-6 verschiedene Augentropfen verabreicht werden, teilweise im 2-Stunden-Takt, auch nachts.
  • Absolute Ruhe: Kein Toben, kein Springen, keine Treppen, nur kurze Pipi-Runden an der kurzen Leine für mehrere Wochen.

Wenn eine OP nicht möglich ist

Wenn Alter, Gesundheitszustand oder finanzielle Gründe gegen eine OP sprechen, ist das kein Weltuntergang. Solange der Hund schmerzfrei ist, kann er auch blind ein wunderbares, erfülltes Leben führen. Unsere Hunde definieren ihre Lebensqualität nicht über das Sehen, sondern über Gerüche, Fressen, Kuscheln und das Zusammensein mit ihrem Menschen.

Veterinaermedizinische Untersuchung beim Hund.

Entfernung des Augapfels – die beiden Möglichkeiten

Der Druck im Auge kann (zum Beispiel beim Grünen Star) so stark werden, dass die Schmerzen für den Hund unerträglich werden. Dann muss der Augapfel entfernt werden. Auch wenn das für uns Menschen zunächst schlimm klingt – für den Hund bedeutet es das Ende eines dauerhaften, quälenden Schmerzes. Bei der Entfernung gibt es zwei Operationsmöglichkeiten:

Künstliches Auge

Der erkrankte Augapfel wird entfernt und durch ein künstliches Auge ersetzt. Optisch bleibt der gewohnte Gesichtsausdruck des Hundes dadurch weitgehend erhalten.

Augenhöhle zunähen

Nach dem Entfernen des Augapfels wird die Augenhöhle vernäht. Das Lid bleibt dann dauerhaft geschlossen.

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Lass dich dazu unbedingt ausführlich von deinem Tierarzt beraten, um die für deinen Hund passende Lösung zu finden.